Hertha darf nicht sterben! Stadtteilübergreifende Bürgerinitiative aus Bergfelde, Borgsdorf, Hohen Neuendorf und Stolpe gegen den Neubau der L171 in Hohen Neuendorf - durch Havel Auen, Stolper Heide und Herthamoor.

Nachrichten - Aktuelles zur L171

Herthamoor

Von: K.P. am 04. Juli 2009 Archiv Drucken

Das fast 10.000 Jahre alte Herthamoor in Bergfelde soll trocken gelegt werden und Platz machen für eine Umgehungsstraße, die um den gesamten Süden Bergfeldes geplant ist.

Diese geplante Landstraße soll insgesamt von der A111 bis zur B96a reichen und würde somit unweigerlich stark vom Schwerlastverkehr frequentiert werden, da über Mühlenbeck (hier ist ebenfalls eine Umgehungsstraße geplant) die Verbindung zur A10 gegeben wäre.

Herthamoor

Das Gebiet um den Herthasee verdankt seinen Namen einem ehemaligen, künstlich geschaffenen See. Dieser Herthasee wurde auf einem ursprünglich natürlich entstandenen Hangmoor angelegt, welches im Norddeutschen Raum sehr selten anzutreffen ist. Sondierungsbohrungen ergaben, daß die ältesten Torfschichten bereits vor rund 9.000 Jahren entstanden sind.

HerthamoorHerthamoor. © Alle Rechte bei Eike Otto

Im Zuge der Öffnung der Grenzen und der Deutschen Wiedervereinigung erlangte das Herthaseegebiet neue Bedeutung: nachdem es knapp 30 Jahre, direkt im Grenzstreifen an der Mauer zum ehemaligen Westberlin gelegen, keinerlei Nutzung erfuhr, stellte für die zuständigen Behörden die Frage, was mit dem Herthasee geschehen sollte. Es bestand die Möglichkeit, den See wieder anzulegen. Die Alternative hierzu, die endlich auch durchgeführt wurde, sah vor, das Moorgebiet zu renaturieren und als schützenswertes Biotop in die umgebende Landschaft zu integrieren.

Der Neubau der Landesstraße 171 würde diese einzigartige Landschaft irreversibel zerstören. Der Eingriff würde nicht nur Verkehr, Lärm und Umweltbelastung erzeugen, er würde auch die Landschaft selbst mit ihrer Biodiversität, ihrem besonderen Wasserhaushalt und in ihrem Erholungsraum stark einschränken.

Eine einzigartige Landschaft

Die Bieselfließ-Landschaft ist deshalb einzigartig, weil sie mehrere Funktionen miteinander verbindet:

  1. Sie ist berlinnah gelegen und dient als Erholungsraum für viele Anwohner aber auch für viele Nordberliner, vor allem Frohnauer.
  2. Die Landschaft ist kleinräumig erfahrbar mit ihren vielen typischen und abwechselungsreichen Landschaftselementen, die Brandenburg sonst nur über große Entfernungen aufweist: ein Niedermoor das von einem Fließgewässer durchströmt wird, hin zu Geschiebedecksanden der Barnimer Hochfäche, die landwirtschaftlich genutzt werden bis hin zu den sanft ausstreichenden Dünenzüge, die im Holozän entstanden sind und die forstlich genutzt werden. Hinzu kommt natürlich das Hertamoor, das eines der kaum noch anzutreffenen gut erhaltenen Niedermoore darstellt.
  3. Gerade diese Landschaft hat eine große Bedeutung für den Naturhaushalt und für den Naturschutz, weil sie auf kelinem Raum über extreme Lebensbedingungen verfügt, vom Trockenrasen bis hin zum Feuchtgebiet, von nährstoffreichen bis hin zu extrem nährstoffarmen Lebensbedingungen. Dadurch, und weil kein Verkehr dieses Gebiet bislang zerschnitten und gestört hat, konnte sich eine einzigartige Flora und Fauna entwickeln. Hinzu kommt eine weitere Besonderheit, die den Gebietswasserhaushalt betrifft: entlang der Hochfläche entspringen in etwa 100 Meter Abständen kleine Quellen, die aus dem Schichtwasser der Hochfäche stammen und das tieferliegende Niedermoor einspeisen, eine auch für Brandenburger Verhältnisse einzigartige Situation!
  4. Dieses Moor und das gesamte Gebiet müsste eigentlich seitens der Landespolitik höchsten Schutzstatus genießen! Denn diese Form von schützenswerten Landschaften haben haben viele andere Bundesländer schon längst nicht mehr, auch deshalb, weil die Verkehrsplaner dort immer wieder eine nicht nachzuvollziehbare Verkehrsinfrastruktur aus wirtschaftspolitischen Erwägungen einforderten. Aus diesen Fehlern sollte das Land Brandenburg lernen.

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