Ein paar grundsätzliche Gedanken zur Ortsumfahrung Hohen Neuendorf - Bergfelde nach dem Entwurf der Landesstraßenbedarfsplanung 2010 des Ministeriums für Infrastruktur und Raumordnung vom 04.06.2009.
Wer sich mit der Entwicklung von Bergfelde seit dem Siedlungsbeginn beschäftigt hat, wird feststellen, dass die damaligen Planer schon sehr weitreichende Ideen und Visionen hatten. Diese wurde zum Teil auch so umgesetzt, das wir nach mehr als 80 Jahren danach noch immer davon profitieren. Das Gelände des Siedlungsgebietes Bergfelde-Süd hatte ein ausreichend bemessenen Straßennetz, dass die Siedlung mit allen umliegenden Gemeinden auf kurzem Weg verband. Auch die Ausbauform der Haupt- und Sammelstraßen waren aus heutiger Sicht utopisch breit und hatten nicht nur einen Bürgersteig. Mit den zwei Kriegen kam die Entwicklung in Bergfelde etwas ins stocken. Nach dem 2. Weltkrieg fanden viele ausgebombte Familien hier in den Sommerhäusern ihre Unterkunft, die sie sich in der guten Zeit erschaffen haben. Mit dem kalten Krieg, der Grenze zwischen Ost und West gab es die ersten Einschränkungen des freien Wegerechts durch den Wald nach Frohnau.
Auch mit dem Bahnbau und der S-Bahn Osttangente nach Pankow wurde die Natur beraubt, der Herthasee zugeschüttet und auch die Straßenverbindungen der Stolper-Str. als auch der jetzigen August-Müller-Str. (ehem. verlängerte Parkstr.) nach Hohen Neuendorf hin unterbrochen bzw. teilweise mit der Bahntrasse überbaut. Im Jahr 1961, mit dem Mauerbau kam die Vollendung der Trennung, Bergfelde wurde nach Süden hin abgesperrt, Grundstücke enteignet und massiver Raubbau an der Natur betrieben. Bergfelde verfiel bis 1989 in eine Art Dornröschenschlaf. Mit dem 09.11.1989 kam die Aufbruchstimmung, Höhepunkt war die Grenzöffnung am 17.02.1990 in Hohen Neuendorf an der Berliner Str. In Bergfelder war man sich einig wir brauchen wieder die südliche Anbindung. Im Gemeindeparlament wurde Pläne geschmiedet wie man die alte Straße wieder beleben kann. So waren fast fertige Pläne für eine südliche Straßenanbindung entlang des S-Bahnbogens vorhanden, die mit der Gemeindefusion von Hohen Neuendorf - Bergfelde - Borgsdorf natürlich einen anderen Stellenwert erhielten. Manche Dinge waren in dieser Zeit wichtiger. Dennoch wurden die Pläne fertig gestellt, mit allen Beteiligungen und Anhörungen und liegen sie seit ca. 15 Jahren im Rathaus und im Verkehrsministerium. Weil immer irgendwie das Geld fehlte und andere Planvorhaben wichtiger waren wurde dieses Vorhaben nie umgesetzt.
Im Zeiten der Bankenkrise ist es natürlich erstaunlich, dass das Land Brandenburg einen Landesstraßenbedarfsplan 2010 auf Kiel legt der 14 Maßnahme umfasst und für 219,6 Millionen Euro umgesetzt werden soll. Die Maßnahme Ortsumfahrung Hohen Neuendorf-Bergfelde ist mit dabei. Aber eben nicht mit der schon einmal genehmigten Teilvariante, sondern mit einem grünen Federstrich quer durch das Herthamoor und entlang des Treuegrabens. Einem in 20 Jahren gut entwickeltem Biotop, das zum Naturpark Niederbarnim gehört. Verkehrstechnisch hat die Planung von der A111 Hohenschöpping bis zur B 96a schon was, aber welcher reelle Nutzen entsteht? Für wen? Und zu welchem Preis?
Neue Maßnahme L171 NE Hohen Neuendorf - A 111 Ost
Länge 3,0 Kilometer, 9,3 Millionen Euro.
Die Auffahrt Hohenschöpping ist für Hohen Neuendorfer nicht wichtig, die Auffahrt auf die A111 besteht bereits mit der Anschlussstelle Stolpe. Der aus Schönfließ/Mühlenbeck kommende Verkehr kann die Anschlussstelle Mühlenbeck der A 10 benutzen oder südwärts die B 96 a oder die Zufahrt über Glienicke zur B96 nutzen. Was passiert mit dem durchfließenden Verkehr aus Norden von der B 96 her ? Die Möglichkeit besteht, diesen über die Pinnower Kreuzung auf der L120 die dann auf die A 111 Auffahrt Hohenschöpping zuleiten. Bedingung ist, dass die fehlende Querung der A 10 und die Straßenanbindung zur L 20 von ca. 2,5 km umgesetzt werden würde. Ob dieses Vorhaben notwendig ist sollten aktuelle Zahlen einer Verkehrsstromzählung erbringen. Viele benutzen bereits die B96 neu als Ortsumfahrung für Oranienburg. Jedoch für den lokalen Verkehrsfluss aus Borgsdorf und Lehnitz, dem Anliegerverkehr aber auch als Umleitungsvariante bei Unfällen oder Baumassnahmen würde diese Möglichkeit wesendlichen positiven Einfluss auf den flüssigen Verkehr nehmen. Weiterhin wäre der Autobahnsee für viele Badegäste wesendlich einfacher zu erreichen.
Neue Maßnahme L171 OU Hohen Neuendorf/Bergfelde Ost
Länge 2,9 Kilometer, Kosten 3,9 Millionen Euro.
Notwendige und Zielführende Straßen/Wege erkennen, sichern und zweckentsprechend ausbauen! Jedoch nicht zu Lasten eines in den letzten 20 Jahren frei entwickelten Biotops Mit dem Mauerbau vor fast 50 Jahren wurde schon mal an gleicher Stelle die Natur zerstört. Wertes Ministerium für den brandenburgischen Verkehr, mit der Veröffentlichung dieser Ortsumgehungsvariante für Hohen Neuendorf/Bergfelde kann man eigentlich nur eine breite Öffentlichkeit, die Anwohner aber auch eine große Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung herausfordern sich zu wehren ! Und sie tun es!
Nach dem Termin am 02.07.2009 im Landtag, hat sich herausgestellt, dass diese Variante eigentlich nicht zu diskutieren ist. Auch wenn es erst der Beginn des Verfahrens ist, sollte man mit der zu schützenden Natur und der notwendiger Wegeplanung und dem Straßenbau sensibler umgehen. Viele werden sagen, lieber gar keine Straßenanbindung von Bergfelde-Süd nach Hohen Neuendorf als der eventuelle Bau einer Umgehungsstraße durch das Herthamoor.
Noch ein Wort zur Planung und den veranschlagten Kosten, der Planung nach würde die Anbindung über die Stolperheide nach Hohenschöpping 9,3 Mill. € kosten. Nicht unerheblich die Summe. incl. einer Bahnunterführung, der Überquerung des Oder-Havel-Kanales einschließlich seiner angrenzenden Feuchtgebiete für 3,2 km Länge ergibt einen Durchschnitt von 2,9 Mill. € pro km ! Die Umfahrung Hohen Neuendorf -Bergfelde ist veranschlagt mit 3,9 Mill. € für 2,9 km Länge, Durchschnitt= 1,34 Mill. € pro km. Für mich völlig unrealistisch diese Summe, denn der Straßenbau durch das Herthamoor + Treuegraben wird bei weitem mehr kosten als hier veranschlagt wird.
Auch wenn die Veröffentlichung und Auslegung der Unterlagen gemäß UVPG erst am 10.08.09 beginnt soll, sollten sich die politisch Verantwortlichen schnell gemeinsam auf einen Standpunkt festlegen! Die im Entwurf des Landesstrassenbedarfsplanes 2010 die Stadt Hohen Neuendorf betreffenden Maßnahmen werden im Wesentlichen aus folgenden Gründen abgelehnt:
- Eingriff in die Landschaftsschutzgebiete Herthamoor/Treuegraben, der Stolper-Heide und den Havel-Auen
- Zunahme der Lärm- und Verkehrsbelastung für die Stadt Hohen Neuendorf durch zusätzlichen außerstädtischem Durchgangsverkehr.
- Erheblicher negativer Eingriff in die städtische Entwicklung der Stadt Hohen Neuendorf als Naherholungs- und Gartenstadt
- Keine Vorlage plausibler und nachvollziehbarer Zahlen und Prognosen für derart massiv in die Entwicklung einer Stadt eingreifenden Planungen
Mein Eindruck zur gestrigen Veranstaltung in der Havelbaude ist, man ist sich in großen Teilen einig. Die Betroffenen ob mittelbar oder unmittelbar, aber auch die politisch Verantwortlichen. Etwas weniger Polemik würde der ganzen Sache aber mehr nützen.
Auch wenn die Stadtverordnete in dem Verfahren eigentlich nicht gehört werden müssen, da die Anhörung der beteiligten Gemeinden als auch des Kreises eine reine Verwaltungsangelegenheit ist, denke ich schon dass man hier einen gemeinsamen Beschluss fassen muss um der Verwaltung und dem Bürgermeister zu signalisieren, wir stehen in großer Geschlossenheit gegen diese Planung und zum anderen dem Ministerium zu zeigen, dass wollen wir nicht.
Gleiches gilt im übrigens auch für den Kreistag. Auch wenn sich in der heutigen Ausgabe des OGA, der Landrat das Thema nicht aufs Trapez heben will, ist es aus meiner Sicht besser, wenn die Kreistagsabgeordneten einen gleich lautenden Beschluss mit großer Mehrheit fassen würden. Deshalb habe ich heute diesen Brief als auch die Unterlagen aus dem Ministerium der Kreisverwaltung sowie dem Kreistagsbüro übersandt mit der Bitte um Prüfung und Weiterleitung an die Kreistagsabgeordneten.
Lutz Tornow 16562 Bergfelde - 10.07.2009.